Zwischen Vertrauensverlust und Messfehlern: “Der Demokratie-Monitor 2026”

Der zweiteilige “Demokratie-Monitor 2026” der Universität Hohenheim unter der Leitung des Kommunikationswissenschaftlers Prof. Dr. Frank Brettschneider wurde am 3. September veröffentlicht. In der repräsentativen Umfrage wurden 4.059 Deutsche anonym befragt, um so ein politisches Stimmungsbild der Bundesrepublik zu zeichnen. Wir haben uns die Ergebnisse angeschaut und wollen sie hier einordnen.

Wir brauchen repräsentative Umfragen

Ob für politische Organisationen, Medienhäuser oder interessierte Laien: repräsentative Umfragen wie der “Demokratie-Monitor 2026” sind essenzielle Beiträge für eine aufgeklärte Gesellschaft. Durch wenige Klicks schaffen wir es nachzuvollziehen, was die Bürgerinnen und Bürger politisch bewegt. Solchen Projekten gebührt Respekt, finanzielle Förderung und gesellschaftliche Unterstützung. 

Dennoch sind sie auch Produkte persönlicher Entscheidungen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Die Auswahl der Fragen, der Fokus der Studie oder konkrete politische Handlungsempfehlungen sind stark subjektiv und sollten kritisch reflektiert werden.

Das Vertrauen ist vor der Haustür

Im “Demokratie-Monitor 2026” gaben nur 39% der Befragten an, dass sie mit der Demokratie auf Bundesebene zufrieden sind. Zum Vergleich: 2021 waren es noch 65%. Der durchschnittliche Wert auf Landesebene liegt mit 51% deutlich über der Bundesebene und auch die Kommunalebebene schneidet mit 59% besser ab. Auch sind die Vertrauenswerte auf Landes- und Kommunalebene stabiler als auf Bundesebene. 

Die Arbeit der Bundesregierung bewerten nur 7% der Deutschen als durchweg positiv, 28% antworteten mit “teils/teils” und 65% nehmen die Arbeit negativ wahr. Diese Ergebnisse setzen einen Negativtrend der vergangenen Jahre fort, sind aber selbst im Vergleich zu diesen ein neuer Tiefstwert. 

Das spiegelt sich auch im Vertrauen der Menschen gegenüber gesellschaftlichen Institutionen wider. Hier rutscht die Bundesregierung auf den vorletzten von 17 Plätzen ab – nur die Sozialen Medien erfahren größeres Misstrauen. Das höchste Vertrauen  genießen die Wissenschaft, die Polizei und die Gerichte. Landtag und Landesregierung ordnen sich im Mittelfeld ein, während Gemeinderat und (Ober-) Bürgermeister Plätze im oberen Drittel belegen. 

Wie man direkte Demokratie (nicht) misst

Besonders der zweite Teil der Studie befasst sich mit Möglichkeiten für politische Partizipation. Als “drei Säulen einer vielfältigen Demokratie” identifizieren die Forschenden  repräsentative Demokratie, direkte Demokratie und dialogische Beteiligung, wobei letzteres als “Add-on” zu jeweils repräsentativer und direkter Demokratie in den Fragebögen erscheint. So weit, so gut – der Fehler ist aber ein anderer. 

In den Ergebnissen ist die Kategorie “repräsentativ + Dialog” über Bundes-, Landes- und Kommunalebene hinweg mit Abstand am beliebtesten. Auf Bundesebene geben 64 % der Befragten diese als gewünschte Demokratieform an, während nur 17 % “direktdemokratisch + Dialog” und 15 % “direktdemokratisch” bevorzugen. 

Die Forschenden trennen allerdings direkte und repräsentative Demokratie konsequent voneinander. Das ist methodisch fahrlässig, denn diese beiden Arten, Demokratie zu leben, koexistieren und funktionieren bereits in verschiedenen politischen Systemen.

Deshalb sind die Ergebnisse in diesem Abschnitt des “Demokratie-Monitors 2026” realitätsfern. Über zwei Demokratiestile, die sich beispielsweise in der Schweiz, in unseren deutschen Kommunen und in einem Großteil der amerikanischen Bundesländer ergänzen, wurde eine “Entweder-Oder-Frage” gestellt. Wir müssen uns nicht entscheiden, ob wir alle fünf Jahre einen neuen Landtag wählen oder ein Volksbegehren in unserem Bundesland starten – es geht beides. Und das ist auch gut so! 

Bürgerbeteiligung ist beliebt

Dabei wollen sich die Befragten mehr direktdemokratisch beteiligen. Das bringen sie in einem anderen Teil der Studie zum Ausdruck. Auf die Frage, wie sie einen politischen Standpunkt deutlich machen würden, gaben 71% an, sie würden sich bei Volksabstimmungen und Bürgerentscheiden beteiligen. Mit 74% war nur die Wahl einer politischen Partei beliebter. 

Das deckt sich mit weiteren Umfrageergebnissen. Laut einem Insa-Meinungstrend aus dem Jahr 2026 wünschen sich 71% der Deutschen mehr direkte Beteiligung auf Bundesebene.  

Sehen Sie den Unterschied? Es kann direkte Bürgerbeteiligung auf Bundesebene geben, ohne die repräsentative Demokratie abzuschaffen. Bürgerinnen und Bürger als ergänzende Maßnahme direktdemokratisch einzubinden: Das will eine Mehrheit der Deutschen.

Vertrauen durch Mitbestimmung: Das Vetorecht

Die Zahlen des “Demokratie-Monitor 2026” zeigen, dass sich die deutsche Demokratie in einer Krise befindet. Wenn nur 39% mit der Demokratie auf Bundesebene und nur 7% mit der Bundesregierung zufrieden sind, sollte das ein Weckruf für die handelnden Akteure sein. 

Einen Lösungsweg bieten ihnen die Menschen: Sie wollen mehr Mitsprache. Die Bürgerinnen und Bürger möchten nicht mehr, dass die Politik an ihnen vorbei regiert. Eine große Mehrheit wünscht sich direkte Demokratie auf Bundesebene und würde sich daran beteiligen. Sie müssen nur noch gehört werden. 

Das Vetorecht ist dieses Instrument. Statt im luftleeren Raum zu stehen und politische Entscheidungen über sich ergehen zu lassen, hätten die Menschen einen Hebel für echte politische Mitbestimmung. Spürbar konkreten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können, steigert nachweislich das Vertrauen in Demokratien.

Vertrauen schaffen durch Mitbestimmung: Jeder echte Demokrat sollte dem Vetorecht etwas abgewinnen können.

Eine ausführliche Literaturreview zu den Effekten des Vetorechts in Demokratien haben wir bereits auf unserer Website veröffentlicht. 

Quellen

Brettschneider, Frank (2026): Demokratie-Monitor 2026. uni-hohenheim.de, 03.09.2026. Online verfügbar unter: https://komm.uni-hohenheim.de/demokratie-monitoring

INSA Consulere (2026): Befragung im INSA-Meinungstrend. 09.02.2026. Online verfügbar unter: https://www.vetorecht.de/2026/02/16/aktuelle-insa-umfrage/


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